Wenn die Einschläge näher kommen: der Einfluss des Konflikts in der Ukraine auf die Cybersicherheit von deutschen Unternehmen

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Bereits drei Wochen dauert der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine an. Erstmalig findet dieser Krieg sowohl territorial als auch im gesamten Cyberspace statt. Inzwischen bekommen auch deutsche Unternehmen den Konflikt in Form von Cyberbedrohungen hautnah zu spüren. Wir haben die relevantesten Ereignisse und Meldungen auf einen Blick für Sie zusammengetragen.

Vermehrtes Aufkommen von Phishing-E-Mails mit Bezug auf den Russland-Ukraine-Konflikt 

In den vergangenen Wochen wurden vermehrt Phishing-Versuche gemeldet, die sich auf den aktuellen Konflikt beziehen. Beispielsweise werden täuschend echt wirkende Phishing-E-Mails im Namen von Banken versendet. Die Verfasser geben vor, verifizieren zu wollen, ob alle Kundinnen und Kunden der Bank sich sich an die Sanktionen der EU gegenüber Russland halten. In diesem Zuge wird aufgefordert, bis zu einem vorgegebenen Datum die persönlichen Daten zu bestätigen. Andernfalls wird mit der Schließung des Kontos gedroht. Die E-Mail enthält einen Link, der angeblich zur Website der Bank führt. Dahinter verbirgt sich allerdings eine gefälschte Website zum Abgreifen von Kundendaten. Das Ergebnis können ein leer geräumtes Bankkonto, die Installation von Ransomware auf den Firmenrechnern oder die Veröffentlichung sensibler Daten im Darknet sein. Wir raten: Klicken Sie keinesfalls auf die Links in solchen E-Mails. Gehen Sie lieber mit einer gesunden Vorsicht heran und kontaktieren Sie Ihre Bank. Sie kann Ihnen sagen, ob eine solche E-Mail tatsächlich versendet wurde - Banken versenden diese Art von Informationen oftmals in Papierform - und sind im Zweifelsfall dankbar über diese Art von Hinweisen. 

Ebenfalls wird vor gefälschten Websites gewarnt, die zu Spendenaktionen für die Unterstützung der ukrainischen Bevölkerung oder Geflüchteter aufrufen. Dabei werden laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die potentiellen Opfer darum gebeten, Geld zu überweisen, das angeblich Menschen bei der Flucht aus umkämpften Städten und Gebieten in der Ukraine helfen soll. Allerdings kommt das Geld nicht dort an, wo es benötigt wird. Auch hier gilt: Vermeiden Sie es, auf den Link in der E-Mail zu klicken. Wenn Sie dennoch mit einer Spende helfen möchten, tun Sie dies direkt über die Website einer entsprechenden Hilfsorganisation.

 

Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen haben zugenommen

Deutsche Unternehmen sind in den vergangenen Tagen mehr in den Fokus von Cyberattacken gerückt. Ein direktes Beispiel im aktuellen Konflikt stellt der Angriff auf die deutsche Niederlassung des größten russischen Ölproduzenten Rosneft dar. So konnte das Hacker-Kollektiv Anonymous nach eigenen Angaben im Zuge einer groß angelegten, politisch motivierten Cyberattacke auf die deutsche Zweigstelle des staatlichen Ölgiganten 20 Terabyte Daten erbeuten -  darunter auch Backups der Laptops von Führungskräften des Unternehmens -  und die Daten von 59 geschäftlichen Mobiltelefonen zu löschen. Das BKA ermittelt bereits, das BSI hat sich ebenfalls eingeschaltet und eine Warnung an andere Unternehmen der Mineralölwirtschaft herausgegeben. Anonymous betont, dass bei dem Angriff weder kritische Infrastrukturen in Gefahr gewesen seien noch Steuerungsfunktionen in Mitleidenschaft gezogen wurden.  

Auch die deutsche Niederlassung des japanischen Autozulieferers Denso wurde in der vergangenen Woche Opfer eines Cyberangriffs. Laut eigenen Angaben des Unternehmens wurden die infizierten Rechner vom Unternehmensnetzwerk gekappt, die Produktion war nicht beeinträchtigt. Medienberichten zufolge ist die kriminelle Hackergruppe Pandora für die Attacke verantwortlich und soll bereits mit der Veröffentlichung von Geschäftsgeheimnissen des Unternehmens gedroht haben: unter den 1,4 Terabyte Daten befänden sich technische Zeichnungen von Desno. Eine Verbindung zum Angriffskrieg in der Ukraine wurde nicht bestätigt, kann jedoch auch nicht ausgeschlossen werden. 

Ebenfalls erwarten Deutschlands Digitalunternehmen eine verschärfte Bedrohungslage. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hat bereits jedes dritte Digitalunternehmen seine Sicherheitsmaßnahmen kurzfristig hochgefahren. Darüber hinaus hat jedes dritte der 100 befragten Unternehmen seinen Krisenstab für den Ernstfall eingerichtet bzw. entsprechende Verantwortlichkeiten geschaffen. 

 

BSI warnt vor Einsatz russischer Virensoftware

Am 15. März veröffentlichte das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) eine Warnung, die sich auf die Nutzung der Antivirus-Software des russischen Herstellers Kaspersky bezieht - mit der Empfehlung, die Anwendungen durch alternative Produkte zu ersetzen. Die Begründung: Die Antivirus-Software verfügt über weitreichende Systemberechtigungen und muss daher eine dauerhafte, verschlüsselte und nicht prüfbare Verbindung zu den Servern des Herstellers halten. Entsprechend seien das Vertrauen in den Hersteller sowie seine authentische Handlungsfähigkeit essentiell, damit solche Systeme sicher verwendet werden können. Ist dies nicht der Fall, könnte die Nutzung der Programme erhebliche Risiken für die eigene IT-Infrastruktur beinhalten. Ein russischer IT Hersteller, könnte gezwungen werden, offensive Handlungen durchzuführen, selbst aktiv werden oder seine Kenntnisse als Werkzeug für Angriffe auf IT-Infrastrukturen missbraucht werden. Diese könnte sämtliche Nutzende der Programme betreffen. Würden beispielsweise IT-Sicherheitsprodukte ohne Vorwarnung abgeschaltet, bedeutet dies eine schutzlose Auslieferung vor Cyberangriffen. Allerdings besteht momentan kein unmittelbares Risiko, da sich die Server von Kaspersky in der Schweiz befinden. Falls Sie Beratung zu diesem Thema benötigen, können Sie uns gerne telefonisch unter 030/95 999 80 80 kontaktieren oder per E-Mail an info@perseus.de. Weitere Informationen zu diesem Thema stellen wir Ihnen zeitnah zur Verfügung. 

 

Perseus Experteneinschätzung

Monika Bubela, Ciso bei Perseus Technologies, empfiehlt Unternehmen höchste Wachsamkeit an den Tag zu legen: “Erstmalig in der Geschichte findet ein Krieg in unmittelbarer Umgebung als auch im Cyberspace statt. Momentan liegt der Hauptfokus der Cyberangriffe vor allem auf kriegsbezogenen Handlungen, allerdings kann die Situation sich jederzeit ändern - und damit auch der Fokus der Angriffsziele. Daher rate ich allen Unternehmen zu äußerster Vorsicht. Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeitenden gegenüber möglicher Phishing-Attacken auf Basis von Social Engineering. Stellen Sie sicher, dass ihr System vor DDOS-Angriffen geschützt ist und gehen Sie kritisch mit Informationen um. Wichtig ist, dass Sie das Risiko Ihres Unternehmens einschätzen und entsprechende Maßnahmen ergreifen können - nicht nur in der aktuellen Situation, sondern auch langfristig.”

Auch wenn momentan noch keine Gefährdung der Informationssicherheit in Deutschland gesehen wird, lässt sich anhand dieser Beispiele erkennen, dass die Einschläge näherkommen und die aktuelle Lage vor allem undurchsichtig ist. Bleiben Sie wachsam und ergreifen Sie entsprechende Schutzmaßnahmen. Die komplette Experteneinschätzung von Monika Bubela können Sie hier lesen.

 

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