Vermehrte Hackerangriffe auf Kritische Infrastrukturen - und Impfstoffhersteller

Im letzten Monat hat eine Gruppe von Sicherheitsforschern aus New York verkündet, dass die acht vielversprechendsten Akteure im Rennen um den COVID-19 Impfstoff besonders bedroht sind, Opfer von zielgerichteten Cyberangriffen mit verheerenden Konsequenzen zu werden. Laut der Analyse der Forscher wies die überwiegende Mehrheit dieser Unternehmen mehrere Sicherheitsmängel auf. In der Nacht zum 10. Dezember war es dann soweit.

In einer Zeit, in der Menschen weltweit sehnsüchtig auf einen Impfstoff gegen das COVID-19-Virus warten, wäre solch ein Hackerangriff fatal. Genau dies rückt Pharmaunternehmen momentan in den Fokus und verspricht lukrative Beute für Cyberkriminelle. Als Motiv stehen Wirtschaftsspionage oder die Erpressung von sehr hohen Lösegeldforderungen an oberster Stelle. Die New Yorker Forscher nannten vor allem unsachgemäß oder völlig ungesicherte Konfigurationen des Remote Desktop Protokolls (RDP) als mögliches Einfallstor.

Angriff auf die Europäische Arzneimittelbehörde

In der Nacht zum 10. Dezember 2020 kam es nun zu solch einem Angriff. Hacker haben eine gezielte Attacke auf die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) verübt. Den Cyberkriminellen sei es gelungen, Dokumente zu entwenden, die im Zusammenhang mit dem Zulassungsantrag für den von Pfizer und BioNTech entwickelten COVID-19 Impfstoff stehen. Der Schaden soll sich aber glücklicherweise in Grenzen halten. So hat der Angriff laut Aussage der Unternehmen keine Auswirkungen auf die Prüfungsfristen,  Produktion oder Auslieferung des Impfstoffes. Wie genau die Hacker vorgegangen sind, ist momentan nicht bekannt. Doch beide Unternehmen versicherten, dass keine Patienten - oder andere persönliche Daten in die Hände der Angreifer fielen. 

Nicht nur Pharmaunternehmen für Hacker interessant

Dieser Vorfall ist scheinbar glimpflich verlaufen - doch möchte man sich die Konsequenzen nicht ausmalen, wenn die Hacker wichtige und geheime Informationen gestohlen, manipuliert oder unzugänglich gemacht hätten. Bereits 2019 hat BSI-Präsident Arne Schönbohm Pharmaindustrien verstärkt im Fokus von Cyberkriminellen gesehen. In diesem Zuge nannte er auch Betreiber von nationalen Wasser- und Stromwerken als besonders gefährdet. Doch warum sehen sich gerade diese Sektoren höheren Gefahren ausgesetzt? Ganz einfach. Die Auswirkungen von Hackerangriffen, die zu Unterbrechungen oder Störungen im dortigen Betriebsablauf führen könnten, hätten weitreichende Konsequenzen für die ganze Bevölkerung. 

Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) hat zusammen mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Sektoren identifiziert, die sie als kritische Infrastrukturen, kurz KRITIS, einstufen. Darunter werden Systeme verstanden, die eine wichtige Rolle für das Gemeinwesen spielen und für die Aufrechterhaltung wichtiger gesellschaftlicher Funktionen essentiell sind. Dazu zählen u.a. Transport und Verkehr, Wasser, Energie, Ernährung, Gesundheit, aber auch Informationstechnik und Telekommunikation. Laut Arne Schönbohm müssen diese Sektoren aufgrund ihres Stellenwerts für die Gesamtbevölkerung der internen IT-Sicherheit einen hohen Stellenwert einräumen.  

Wie schützen sich KRITIS-Organisationen?

Organisationen und Einrichtungen, die zur Kritischen Infrastruktur zählen, werden besonders geschützt. Seit 2011 fasst die Nationale Strategie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen alle Maßnahmen von Bund, Ländern und den betroffenen Akteuren zusammen. Des weiteren gibt die BSI-KRITIS-Verordnung vor, welche informationstechnischen Systeme für die Funktionsfähigkeit der Kritischen Infrastrukturen wichtig sind, und welche organisatorischen und technischen Vorkehrungen getroffen werden müssen, um diese abzusichern. Außerdem wird in der Verordnung festgelegt, dass sämtliche Cyber-Vorfälle und Hacker-Angriffe an das BSI zu melden sind. 

Hackerangriffe auf Kritische Infrastrukturen weltweit

Welches Ausmaß ein Hackerangriff auf eine Kritische Infrastruktur nehmen kann, zeigen folgende Beispiele: 

  • Im September 2020 erfolgte ein Hackerangriff auf das Universitätsklinikum in Düsseldorf. Wochenlang war eine normale Patientenversorgung nicht möglich. Teilweise mussten Patienten abgewiesen oder in andere Krankenhäuser verlegt werden. Ärzte konnten nicht auf Röntgenbilder oder Computermonogramme zugreifen.
  • Kurz zuvor, im Juli 2020, wurden in Ludwigshafen Kunden- und Mitarbeiterdaten eines Energieunternehmens durch Hacker gestohlen. Betroffen waren 150.000 Personen. Besonders pikant: Der Angriff erfolgte bereits im Frühjahr und ist wochenlang nicht entdeckt worden. 
  • 2017 wurde ein saudi-arabisches Kraftwerk Opfer von Hackern. Ziel des Angriffs war es vermutlich, die Anlage zu zerstören. Aufgefallen ist der Angriff nur, weil die Malware eine Sicherheitsabschaltung des Kraftwerks auslöste.
  • Und kurz vor Weihnachten 2015 fiel in der Ukraine der Strom aus. Mehr als 700.000 Menschen waren ohne Elektrizität. Dieser Blackout wurde ebenfalls durch einen Hackerangriff verursacht. Laut Medienberichten gelang es den Angreifern durch geschicktes Social Engineering, Zugang zum System zu bekommen. Letztlich fielen fast 30 Umspannwerke aus, und fast 300 Städte waren mittelbar oder unmittelbar betroffen.

Die Bedrohung durch Hacker wird aller Voraussicht nach auch in den nächsten Monaten und Jahren nicht nachlassen - im Gegenteil. Laut der Bundesregierung wurden im Zeitraum von Januar bis Anfang November 2020 171 erfolgreiche Hackerangriffe auf Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur gezählt. Im Jahr zuvor waren es 121 und im Jahr davor 62. Da diese Hacks ernste Konsequenzen für sehr viele Betroffene haben, gilt es, diesen Sektor besonders genau zu beobachten und für “cybersichere” Systeme zu sorgen.

 

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